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Workshop «Zusammenarbeit(en). Praktiken der Koordination, Kooperation und Repräsentation in kollaborativen Prozessen»

Zürich, 5.–6. Oktober 2017

Kollaborative Prozesse werden meistens von ihren Ergebnissen her gedacht und beurteilt, während das Prozesshafte selbst nur selten in den Blick genommen wird. Unsichtbar bleiben dabei die (versteckten) Strukturen und Bedingungen, unter denen sich kollaborative Prozesse konstituieren und durchgeführt werden. Dies betrifft im Besonderen die verinnerlichten Regelsysteme, symbolischen Ordnungen, Wissenshierarchien und Objektivationen, die innerhalb von Kollaborationen (implizit oder explizit) affirmiert und weiter ausgehandelt werden.

In der Empirischen Kulturwissenschaft und ihren benachbarten Disziplinen und Arbeitsfeldern sind Kollaborationen nicht ungewöhnlich: Sei dies in der transdisziplinären Stadtforschung, in der Zusammenarbeit mit KünstlerInnen und KuratorInnen, im Kontext von Vermittlung und Museum, in «Citizen Science»-Projekten oder auch in der Zusammenarbeit mit Akteuren aus den Naturwissenschaften, der Politik oder der Wirtschaft.

Die konkreten Praktiken und Prozesse, die beim Zustandekommen, der Durchführung aber auch bei der Repräsentation von kollaborativen Arrangements eine Rolle spielen, sind bislang jedoch nicht systematisch untersucht worden. Ähnliches gilt für die zunehmende Bedeutung von Technik und Infrastrukturen, über die kollaborative Prozesse operationalisiert und realisiert werden. Angesichts der verstärkten Idealisierung und Ästhetisierung von kollaborativen Prozessen, beispielsweise unter den Vorzeichen von «Crowdsourcing» oder «Massenkollaboration» (in der nutzergestützten Weiterentwicklung von Navigations- und Sprachlernprogrammen oder dem Reputationsmanagement der Open-Source-Softwareproduktion) gilt es zudem, das Verhältnis von Partizipation und Interesse in den Blick zu nehmen.

Der Workshop versammelt daher Beiträge aus der Empirischen Kulturwissenschaft / Europäischen Ethnologie und benachbarten Disziplinen, die sich mit solchen gegenwärtigen kollaborativen Prozessen befassen. Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf der Analyse

  1. des Zustandekommens (der Anbahnung, Konzeption und Planung) von Kooperationsprozessen,
  2. der Operationalisierung und Durchführung von kollaborativen Arrangements,
  3. der Präsentation und Repräsentation von Ergebnissen kollaborativer Prozesse sowie
  4. von deren technischen Hinterlegung und Operationalisierbarkeit.

Gefragt sind Beiträge, welche die eigenen Arbeitsformen und Erfahrungen in Bezug auf inter- und transdisziplinäre Kollaboration reflektieren, wie auch solche, die sich mit der Erforschung von Formen der Kollaboration befassen. Dabei sollen die medialen, sozialen, technischen oder ökonomischen Aspekte und Potentiale von Praktiken des Zusammenarbeitens beleuchtet werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach der (spontanen oder gerichteten) Emergenz und Aushandlung von Koordinations- und Kollaborationsformen, nach den Schnittstellen zwischen künstlerischem und wissenschaftlichen Arbeiten oder zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die konkreten Aushandlungsprozesse, in denen Modi der Zusammenarbeit, Wissenshierarchien, Begrifflichkeiten und Definitionen, Arbeitsteilungen, Koordinations- und Abstimmungsmechanismen, die Teilung von Profiten / Prestige, Zieldefinitionen u. a. ausgearbeitet und umgesetzt werden, sollen im Rahmen des Workshops zum Thema gemacht werden. Die theoretische Dimension kollaborativer Prozesse und deren wissenschaftlicher Reflexion soll dabei immer mitgedacht werden.

Beiträge können u. a. folgende Themen problematisieren:

  • Welche institutionellen, sozialen oder ökonomischen Aspekte spielen bei diesen Aushandlungen eine Rolle? Welche Bedeutung kommt dabei persönlichen, institutionellen und / oder disziplinären Erwartungen und Erfahrungen zu?
  • Inwieweit laufen solche Aushandlungen explizit und / oder implizit ab (im Sinne eines «hidden scripts»)?
  • Welche Möglichkeiten / Notwendigkeiten der (Ent-)Formalisierung von Regeln und Modalitäten braucht es, um kollaborative Prozesse zu initiieren und durchzuführen?
  • Wie verläuft die Plausibilisierung von Wissens- und Handlungsformen und -ordnungen im Rahmen kollaborativer Prozesse (d.h., wie und wann wird ausgehandelt, welches Wissen oder welche Vorgehensweise legitim, effektiv oder effizient sind und welche nicht)?
  • Welche (neuen, anderen) Formate braucht es, um Ergebnisse kollaborativer Prozesse nicht nur gegenstands- sondern auch prozessäquivalent darzustellen und zu vermitteln?
  • Welche Bedeutung haben technische (insbesondere digitale) Apparate und Infrastrukturen für die Operationalisierung kollaborativer Prozesse?
  • Wie können kollaborative Prozesse wissenschaftlich begleitet und reflektiert werden und wie lassen sich die dabei gewonnenen Erkenntnisse für laufende und zukünftige Formen der Kooperation und Ko-Produktion fruchtbar machen (Verzahnung von Reflexion und Praxis)?

Der Workshop findet vom 5. bis zum 6. Oktober 2017 an der Universität Zürich und am Collegium Helveticum statt. Wir freuen uns über unveröffentlichte Vorträge sowie über Projektberichte, die die unterschiedlichen Aspekte des Zusammenarbeitens beleuchten. Bitte senden Sie Ihr Abstract im Umfang von maximal 500 Wörtern sowie eine kurze bio- bibliographische Notiz bis zum 31. März 2017 an Dr. Stefan Groth sowie Dr. des. Christian Ritter. Die Publikation der Workshop-Beiträge ist geplant.

Veranstalter: Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft, Populäre Kulturen, Universität Zürich (Dr. Stefan Groth); Collegium Helveticum, Zürich (Dr. des. Christian Ritter).

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